Ein Angler versteht die Welt 2021 nicht mehr

Vor über 40 Jahren führte mich mein Vater zum Angelsport und brachte mir viel bei. Vom Hochseefischen, Fliegenfischen über die Spinfischerei bis zum althergebrachten Ansitzangeln.

Auch jetzt noch liebe ich diesen Sport als Ausgleich zum stressigen Alltag und auch als Bindeglied zur Natur und dem Schutz Dieser.

Innerhalb des Vereins betreue ich nicht nur die Webseite, sondern versuche mich auch so aktiv, ehrenamtlich als Helfer und Fischereiaufsicht zu beteiligen und agiere auch im Vorstand mit.

Dadurch habe ich auch sehr viel Kontakt zu Mitgliedern und den Meinungen, die sich in der heutigen Zeit massiv in den digitalen Medien widerspiegeln. Beruflich komme ich aus der Sicherheits- und IT-Branche und habe deshalb viel mit den neuen Medien und ebenfalls ständig mit der innovativen Technik zu tun.

Und genau hier beginnt der Tunnel, der mich im Dunkel tappen läßt….eine Welt, der ich kaum noch folgen kann und mir teilweise Angst vor der Zukunft des Angelsports macht, selbst wenn ich mich Innovationen und einem Fortschritt in der Angelei nicht verschließe. By the way: dropshoten am Kanal ist super.

Kommen wir mal zum Punkt…

aus rein rechtlichen und auch (mit)menschlichen Gründen ist ca. 16 Monate durch Covid-19 der gezielte Besatz von Forellen nicht durchführbar bzw. birgt Gefahren für die Gesundheit des Einzelnen und schon beginnt die Welt zu kippen. Forellen – DAS Maß der Dinge, ohne diese ist der Besuch eines unserer Teiche sinnlos….der jährlich getätigte Besatzfisch ist sowieso falsch in Hinsicht Art, Menge und Größe.

Obendrein darf man nicht mit Schnellboot, Wasserski oder Futterhubschrauber an den Teich...eine Tonne Boilies am Platz am Vortag auszubringen ist auch verpöhnt...die Teiche sind zu viele und dabei noch zu klein – mit 25 Mann und Bellys wird es eng, die Anreise dauert zu lange und dann wird man auch noch kontrolliert. Genau: Bellyboote müssen überall her, die letzte Ritze muß befischt werden – stören mich dann die anderen 24 auf dem Wasser rufe ich den Vorstand her, die benehmen sich einfach nicht .……..

An dieser Stelle übertreibe ich mit purer Absicht – denn so lesen sich oftmals die Beiträge von Mitgliedern, die von der Materie oft keinerlei Hintergrundwissen haben und auch bei wichtigen Entscheidungen oder Arbeiten am/im Verein noch nie gesehen wurden. 

Mit Sicherheit ist nicht jede Entscheidung zu 100% richtig oder wird die Meinung des Einzelnen (bei knapp 1500) abdecken, nur muss man manchmal wie im normalen Leben Entscheidungen treffen und durchführen – dann zählt bei uns immer Demokratie. Abstimmungen im Rahmen der gewählten bzw betroffenen Mitglieder. Und für viele kleinere Vorhaben kann man nicht über 1000 Mitglieder abstimmen lassen, da sich 80 % eh nicht beteiligen, die Kosten aber immens wären.

Also frage ich mich, ausgelöst von der Forellendiskussion, wo ist der normale, ruhige Angelsport geblieben? Raus ans Wasser, in die Natur … angeln mit dem Ziel neben der Entspannung, der Ruhe  und den Eindrücken etwas zu fangen….oder auch nicht!! Gleichgesinnte treffen und Erfahrungen austauschen (noch unter Corona-Bedingungen!)

Es sind nicht immer nur die „wenigen Fische“ im Teich Schuld, evtl. liegt es auch am Köder, Wetter oder dem Angler!

Wenn wir diesen Corona-Mist halbwegs hinter uns gebracht haben, werden wieder bessere Zeiten kommen, mit Vereinsveranstaltungen und dem soooo wichtigen Besatz mit Forellen. Auch ich fange und verzehre sehr gern Forelle, nur habe ich gelernt auch auszuweichen (Stichwort Forellenpuff) oder meine Angelei an anderen Zielen zu orientieren.

In diesem Sinne: kommt gut über die Covid-19 Zeit, genießt das Angeln am Teich und wartet auf den Phasenwechsel...konstruktive Kritik ist immer gern gesehen und bringt uns vorwärts, nur sollte diese auch vernünftig vorgebracht werden. Und: der  Wunsch/die Meinung eines Einzelnen ist nicht automatisch die Gesamtheit der Demokratie.